Stellungnahme des Vorstands zu den aktuellen Vorgängen
Der Vorstand des Roten Stern Leipzig nimmt Stellung zu den aktuellen Vorgängen im
Verein und zu der damit verbundenen Eskalation. Dabei werden unter anderem diese
Behauptungen verbreitet: Im Verein würden Personen geschützt, die Graffiti mit
Drohungen gesprüht haben. Vorstand und Vereinsstrukturen kümmerten sich nicht
um diese Drohungen. Palästinasolidarische Positionen würden sanktioniert. Ein
Vereinsmitglied habe einen Hitlergruß gezeigt, der vom Verein gedeckt werde. Dies
alles sind unwahre Behauptungen.
Diese Stellungnahme stammt vom Vorstand. Sie ist mit keinem weiteren
Vereinsgremium abgestimmt. Zu den Vorwürfen, die bisher nur von Dritten
veröffentlicht wurden, haben wir uns bisher bewusst nicht in den sozialen Medien
geäußert, um die Eskalation nicht weiter anzuheizen. Vor einigen Tagen hat sich
allerdings ein beteiligtes Mitglied in einem öffentlichen Medium geäußert und falsche
Behauptungen verbreitet. Wir möchten uns deshalb äußern, damit der Verein und
seine Mitglieder nicht weiter diskreditiert werden und um weiteren Schaden von ihm
abzuwenden.
Neben dieser Stellungnahme werden wir intern das Gespräch mit dem Mitglied
suchen und einen Umgang mit der Situation finden.
Drohungen und Graffiti
Die Graffiti, in denen ein Vereinsmitglied namentlich bedroht wurde, verurteilen wir
ohne Einschränkung. Unsere Solidarität gilt der bedrohten Person. Gewalt- und
Morddrohungen haben im Verein und in seinem Umfeld keinen Platz. Wir haben sie
wiederholt intern und nach außen verurteilt. Der Verein hat die Polizei informiert.
Mitglieder haben sich um die Entfernung gekümmert. Der Vorwurf, Vorstand und
Vereinsstrukturen würden nichts unternehmen, ist falsch.
Dem Vorstand ist nicht bekannt, wer die Graffiti gesprüht hat. Hinweise darauf, dass
Personen im Verein die Täter kennen und schützen, liegen uns, der
Sicherheitsbeauftragten und auch anderen Personen im Verein nicht vor.
Entgegenstehende Behauptungen weisen wir entschieden zurück.
Zum Vorwurf der Sanktionierungen
Der Vorwurf, im Verein würden palästinasolidarische Positionen sanktioniert, trifft
nicht zu.
Maßnahmen knüpfen an konkrete Äußerungen und Handlungen an, nicht an eine
palästinasolidarische Position der Handelnden. Maßnahmen gab es auch gegenüber
Personen mit anderen politischen Positionen, wenn ihr Verhalten oder ihre Aussagen
dazu Anlass gaben.
Im Fall, auf den sich der konkrete Vorwurf bezieht, lag der Grund nicht in einer
Position zu Israel und Palästina, sondern zum einen in Äußerungen im Plenum und
in Chatgruppen, die Vereinsmitglieder mit Nationalsozialisten gleichsetzen und damit
herabwürdigen sowie zum anderen im Teilen eines Beitrags mit der Aussage
„Israel committed a Holocaust in Gaza“, der das Vorgehen Israels mit dem Holocaust
gleichsetzt, damit den Holocaust relativiert und der antisemitisch ist. Aus diesen
Gründen wurde das Mitglied daraufhin suspendiert.
Zum Vorwurf des Hitlergrußes
Ebenso unzutreffend ist die Aussage, ein Mitglied habe den Hintlergruß gezeigt.
Ein Vereinsmitglied, dass sich im Zusammenhang mit dem zuvor dargestellten
Vorgang als Faschist bezeichnet gesehen hat, reagierte darauf außerhalb des
Plenums mit „Sieg Heil“. Dies relativieren wir nicht. Einen Hitlergruß hat diese Person
aber nachweislich nicht gezeigt. Sie ist aktuell suspendiert. Ein Aufarbeitungsprozess
wurde begonnen.
Wofür wir uns einsetzen
Wir verstehen den Roten Stern als antifaschistischen Sportverein. Wir wissen, dass
es im Verein verschiedene antifaschistische Positionen gibt, auch zum
Nahostkonflikt. Diese können nebeneinander stehen, solange Mitglieder respektvoll
und sachlich miteinander umgehen und keine roten Linien überschritten werden.
Zu den Positionen, die im Verein Platz haben sollen, gehören Kritik am Vorgehen der
israelischen Regierung und des Militärs. Dazu gehört auch, den Vorwurf äußern zu
dürfen, das Vorgehen der israelischen Regierung und des Militärs sei ein Genozid.
Ebenso muss ausgehalten werden, wenn Andere der Einordnung als Genozid
widersprechen.
Rote Linien sind für uns Rassismus, auch antimuslimischer und antipalästinensischer
Rassismus, und jede Form von Antisemitismus. Das gilt insbesondere für die
Gleichsetzung israelischer Politik mit dem Holocaust und für die Rechtfertigung oder
Verharmlosung des Hamas-Terrors vom 7. Oktober 2023. Wir setzen uns dafür ein,
dass Vorfälle als das benannt werden, was sie sind. Außerdem setzen wir uns gegen
eine Instrumentalisierung des Antisemitismusbegriffs ein.
Was wir erwarten
Kritik am Verein ist legitim und notwendig. Im Mittelpunkt steht für uns, dass alle
Mitglieder gemeinsam Sport treiben können, ohne Angst vor Anfeindung zu haben.
Wir erwarten einen fairen, respektvollen und konstruktiven Umgang miteinander
und bitten alle Beteiligten, keine falschen Tatsachen zu verbreiten sowie auf
Drohungen und Bloßstellungen zu verzichten. Insbesondere erwarten wir, dass
Konflikte nicht weiter in den sozialen Medien ausgetragen werden. Wir arbeiten
Vorwürfe gemeinsam mit unseren Mitgliedern auf.
Der Vorstand des Roten Stern Leipzig ’99 e.V.

