Stellungnahme Roter Stern Leipzig zu den Ereignissen nach dem Volxsport-Pokalspiel LSV Stahlfeuer gg. RSL

Stellungnahme Roter Stern Leipzig zu den Ereignissen nach

dem Volxsport-Pokalspiel LSV Stahlfeuer gg. RSL

Am 16. Juni 2017 spielte das Volxsportteam vom Roten Stern Leipzig im Pokalfinale beim LSV

Südwest gegen deren Volxsportteam, LSV Stahlfeuer. Nach dem Spiel kam es zu einem Angriff auf

Anhänger*innen des RSL-Teams und Besucher*innen des Spiels. Erst daraus entstand eine

Auseinandersetzung, die wir dann im Nachgang in der Presse als Angriff von RSL-Fans dargestellt

wiederfanden. Der Rote Stern Leipzig möchte dazu nachträglich Stellung beziehen.

Aus der Sicht von Anwesenden stellte sich der Ablauf wie folgt dar: Schon vor dem eigentlichen

Spiel machten Gerüchte die Runde, dass beim LSV Stahlfeuer Leute aus dem Umfeld der

ehemaligen, sogar vom Verfassungsschutz beobachteten, neonazistischen Lok-Fangruppierung

„Scenario Lok“ aktiv sind. Die Stimmung war während des gesamten Spiels angespannt. Immer

wieder fielen aus einer Gruppe von 40 bis 50 Personen der Stahlfeuer-Anhänger Beleidigungen

gegen RSL-Anhänger*innen. Mit Verlesen der Mannschaftsaufstellungen stellte sich heraus, dass

mit Paul H. und Marcus W. mindestens zwei bekannte Neonazis im Team des LSV Stahlfeuer

mitspielen. Paul H. gehörte zu den Angreifern des 11.1.2016, Marcus W. war langjähriger Freie-

Kräfte-Leipzig- & JN-Kader und spielte eine wichtige Rolle bei „Scenario Lok“. [LINKs]

Während des Spiels gab es außer den Beleidigungen keine Vorfälle, zumal von den RSLSupporter*

innen keinerlei Aktionen ausgingen. Direkt nach Spielende zogen sich die RSL-Spieler –

ohne zu Duschen – schnell um und verließen aufgrund des Bedrohungsszenarios die Sportanlage

zügig. Die RSL-Anhänger*innen und weitere Antifaschist*innen hatten das Gelände bereits

geschlossen verlassen. Vor der Anlage verblieb ein Teil der Zuschauer*innen und wartete auf die

Spieler, um gemeinsam abzureisen. Bereits beim Verlassen des Geländes provozierten drei Männer

am Ausgang. Weitere Personen kamen hinzu, teilweise bewaffnet, u.a. mit einem

Teleskopschlagstock. Von einer Gruppe von etwa 15 Neonazis, welche sich zügig Richtung RSLAnhänger*

innen bewegten, kamen Rufe wie: „Kommt her, ihr Scheiss Zecken“. Daraufhin

eskalierte die Situation: Personen warfen aus dem Stadioninneren Gegenstände wie Flaschen und

Steine, gar Plastesitzbänke vom LSV, in Richtung der RSL-Anhänger*innen. Antifaschist*innen

wehrten sich aktiv und betraten dabei auch erneut das Sportgelände. Es kam zu einer Schlägerei

zwischen etwa 20 Antifaschist*innen und 20 Neonazis und deren Umfeld.

Der Rote Stern Leipzig möchte hier noch einmal klar betonen, dass die Auseinandersetzung nicht

von RSL-Anhänger*innen begonnen wurde. Auch war dies kein Angriff auf den LSV Südwest oder

das gleichzeitig stattfindende Vereinsfest. Es handelte sich um einen Angriff von Neonazis auf den

RSL, gegen den sich Antifaschist*innen aktiv zur Wehr setzten.

Trotzdem gehört diese Form der Auseinandersetzung nicht zu den Aktionsformen, die der Rote

Stern Leipzig unterstützen oder gutheißen kann. Leid tut es uns insbesondere um alle Unbeteiligten,

die Zeug*innen der Ereignisse werden mussten. Der RSL ist in Kontakt mit dem LSV, um das

Geschehen aufzuarbeiten. Wir sind guter Hoffnung, dass weitere Gespräche mit dem LSV, mit dem

wir bisher in guter Beziehung standen (Freundschaftsspiel der I. Herrenteams 2016), das Verhältnis

wieder herstellen können und solche Vorfälle in Zukunft nicht mehr vorkommen.

Das Thema Neonazis im und beim Fußball läßt uns keine Ruhe. Mit unserem offensiven Auftreten

gegen Neonazis und Diskriminierung hatte und hat der RSL immer wieder mit agressiven,

gewalttätigen Neonazis zu tun. Andererseits wird der Rote Stern Leipzig in den letzten Monaten

mehr und mehr zur Projektionsfläche einer öffentlichen Debatte, die einerseits ganz im Sinne der

fragwürdigen Theorie des politischen Extremismus Handlungsmotivationen und Handlungen, also

„Links“ (den RSL) und „Rechts“ (Neonazis), gleichsetzt. Andererseits wendet sich die an sich

schon völlig überkommene und absurde Forderung „Politik raus aus dem Fußball“ regelmäßig

gegen den RSL, komischerweise aber nicht gegen Neonazis und deren Umfeld im Fußball.

Innerhalb dieser öffentlichen Debatte fällt es uns als ehrenamtlich geführtem Verein immer

schwerer, unsere Positionen im Entscheidungsgremium des Vereins, dem Plenum, zu entwickeln

und sinnvoll zeitnah nach außen zu kommunizieren. Diese späte Reaktion auf die Ereignisse mag

als Beispiel dafür gelten.